Nocky Mountains: Mit Kindern in den Nockbergen

Ich mag die Nockberge. Liebe Münchner: Nein, das hat jetzt nichts mit dem Nockherberg zu tun. Ich rede von jenem Gebirgszug zwischen den Hohen Tauern im Westen, den Schladminger Tauern im Norden und den Karawanken im Süden, der ein wenig aus dem Rahmen fällt. Weil man sich manchmal nicht mehr in den Alpen wähnt. Weil sie einerseits sanft daherkommen und ihre Gipfel rund wie Kasnocken sind – und eben auch Nocken heißen. Und weil sie dann doch wieder recht wild daher kommen, mit tiefen Tälern, großen Waldflächen und Hochmooren. Sie heißen Teuerlnock, Steinnock, Rosennock oder Rinsennock – nur der höchste darf sich Königstuhl nennen. Die Nockberge schinden Eindruck mit ihren ungewöhnlichen Zirbenlandschaften und Unmengen Lärchen. Ich mag die Nockberge, weil sie so anders sind als das was man sich unter alpiner Landschaft vorstellt. Und weil sie sich bestens für Wortspiele eignen, die Nocky Mountains.

Wandern mit Kind Nockberge

Norwegen? Nö. Nockberge!

Die Nockberge gelten trotz Gipfelhöhen von bis zu 2400 Metern als Mittelgebirge. Schon zweimal haben sie mich im Winter fasziniert. Die vielen Lärchen aber lockten mich im Herbst hierher zurück. Ich hoffte, hier dem Indian Summer zu begegnen, wenn die Lärchen goldgelb in der Sonne leuchten. Soweit der Plan. Er ging nicht ganz auf. Wir waren zu früh dran. Dafür habe ich gelernt, dass Lärchen sich zuerst an einzelnen Zweigen färben. Das sieht mitunter ganz lustig aus: alles grün, nur ein gelber Zweig. Und die Kinder waren überrascht, wie weich Lärchennadeln sind. Klar, Kraxel-Felsen sucht man in den Nockbergen rund um die Neue Bonner Hütte vergeblich. Stattdessen Wälder, Hochmoore und sanfte baumlose Bergkuppen. Skandinavien lässt grüßen. Klein-Norwegen liegt in Kärnten.

Gefunden! Ein gelbes Lärchenexemplar.

Unser Basecamp, die Neue Bonner Hütte, hatte im Mai nach einem Umbau ganz neu eröffnet. Sie liegt auf einer Lichtung auf 1600 Metern, umgeben von – na klar – Lärchen und Zirben. Und das Beste, sie ist mit dem Auto erreichbar. Der Weg dahin ist zwar etwas ruppig und die Fahrt verlangt ein wenig Feingefühl. Aber der Fußmarsch mit Gepäck und Kindern würde sich sonst kräftig ziehen. Ein junges, sehr junges Paar aus Ingolstadt bewirtschaftet die Hütte jetzt. Und obwohl die beiden viel Zeit in die Sanierung gesteckt haben, mangelt es der Hütte besonders im oberen Bereich, wo die Schlafräume sind, nicht an urigem Charme. Die Böden der Zimmer knarzen was das Zeug hält. Der erste Eindruck der Zimmer im oberen Stock ist tatsächlich etwas düster. Dafür hat jede Familie ihr eigenes Zimmer. Die gemütliche Stube okkupierten wir gänzlich, denn wir waren allein im Haus. Die Spezialität des Hauses ist der selbstgemachte Limoncello.

Nockberge Wandern mit Kindern

Die Bonner Hütte auf der Lichtung

Den Lockrufen des Spielplatzes können die Kids nicht lange widerstehen. Statt langweiligen Erwachsenen-Witzen zu lauschen, die eh kein Mensch versteht, bietet der Spielplatz im Dunkeln wesentlich mehr Abenteuer. Außerdem: Draußen liegen noch Schneereste vom frühen Septemberschneefall, der die umliegenden Bergkuppen bereits angepudert hat. Es entbrennt eine nächtliche Schneeballschlacht. Bis Jakob einen Lurch findet. Und nicht nur er. Offenbar zieht es die Tierchen auf den hellen Schnee, wo sie dann erstarrt vor Kälte liegen bleiben und sicher nicht lange überleben würden, wenn Kinderhände sie nicht wärmen und ins Grüne setzen würden.

Die „Nocky Mountains“

Wandern bei der Neuen Bonner Hütte

Bei Herbstwanderwetter erster Güte gehen wir am nächsten Morgen auf eine aussichtsreiche Wanderung zur Branntweinalm nach Norden: von der Hütte weg an der Zechnerhütte vorbei, dann links in den Wald hinein, zuerst über Holzbohlen durch sumpfigen Wald, dann über die herrlichen mit Lärchen bestückten Wiesen der Lausitzalm. Noch bevor wir den schneebedeckten Teuerlnock erreichen, zweigen wir bei einem größeren Stadel rechts auf einen Pfad ab. Bei bester Fernsicht beginnt hier nun ein feiner Höhenweg, zwar matschig und immer wieder mit Schneeresten, aber die Kinder freuen sich über den ersten Schneekontakt nach vielen Monaten und über die mit Eis bedeckten Pfützen. Dazwischen leuchtet dunkelrot das Heidekraut hervor, im Hintergrund vereinzeltes Herbstgelb. Ein erstklassiger Farbenrausch. Helene beschwert sich nur kurz, nachdem sie mit dem Fuß im Matsch versunken ist: „Die Natur hat mich reingelegt. Der Matsch unter der Pfütze ist tiefer als es aussieht.“ Der Schein trügt.

Wandern mit Kindern in den Nockbergen

Logenplatz bei der Branntweiner Hütte

Der Panoramablick auf die weißen Wellen der umliegenden Nockberge begleitet uns bis kurz vor die Aineckhütte. Dort stoßen wir wieder auf den Forstweg und laufen auf ihm gemütlich durch den Wald zur bereits  geschlossenen Kösselbacher Alm. Kurz dahinter liegt die schicke Branntweinalm mit kleinem Spielplatz, die innen mehr hermacht, als man von außen vermutet. Der Schein trügt erneut. Während die Kinder Hühnereier hinterm Haus begutachten und eine alte Buttertrommel betätigen, sonnen wir uns auf der Terrasse.

Wandern mit Kindern in den Nockbergen

Bei der Lausitzalm

Auf dem Rückweg statten die Kinder den Kaninchen auf der Kösselbachalm noch einen Besuch ab. Dann zweigen wir vom Forstweg links ab und nehmen den direkten Weg zur Meisnitzer Alm. Der setzt sich  in einer Linkskehre geradeaus als schöner Steig durch den Wald hinab fort. Abzweig nicht verpassen! Die Füße bleiben geradeso trocken. Ab der Meisnitzer Alm geht es weiter auf einem Forstweg bis zur Esseralm. Gerade wollte es den Kids langweilig werden auf dem Hatsch, da erschrecken sie sich, als es aus dem Wald heraus laut muht. Zwischen den Bäumen erspähen sie Kühe. „Eine Kuh? im Wald?“ Ein ungewohnter Anblick. Ein Holzschild weist den Weg zur Bonner Hütte. Und was jetzt folgt, nennt man wohl Selbstläufer. Das Sumpfgebiet nördlich der Hütte weckt die müden Bein wieder. Bizarr ragen tot scheinende Baumstämme aus dem sumpfigen Boden, die Heide verpasst der Szenerie rote Farbakzente. Über Holzbohlen zu balancieren lässt die Kinder vergessen, dass sie schon eine Menge Kilometer in den Beinen haben. So kommen wir ohne Quengeleien zurück zur Hütte.

Wandern mit Kindern in den Nockbergen

Selbstläufer: Durch das Hochmoor

Tourverlauf Branntweinhütte

Tourverlauf Branntweinhütte: 10 km, 360 hm | ©gpsies.com

Wie komme ich hin?

In ca. 2,5 bis 3 h von München.
Die Zufahrt erfolgt aus Rennweg am Katschberg. Mit dem Auto über die A10 bis zur Abfahrt nach dem Tauerntunnel und dem Katschbergtunnel „Rennweg am Katschberg“. Nach der Abfahrt den linksseitigen Parkplatz neben dem kleinen Tunnel (Autobahnunterführung) ansteuern. Hier ist die „Bonner Hütte“ bereits ausgeschildert. Mit dem Auto nun durch die Unterführung und Richtung Lausnitztal / Ortsteil Frankenberg hinauffahren und dem Forstweg lange folgen bis zur Hütte. Achtung: Manche Navigationssysteme leiten über die Ortschaft St. Georgen. Dieser Weg ist nicht gut ausgebaut.

Was muss ich wissen?

Die Bonner Hütte ist von Ende Mai bis Mitte Oktober bewirtschaftet, und vom 27. Dezember bis März. Sie kann bis zu 29 Personen beherbergen, aufgeteilt in ein 5-Bett-Zimmer und mehreren 4- und 2-Bett-Zimmern.
Die Preise für die Übernachtung liegen zwischen 14 Euro für Alpenvereinsmitglieder und 24 Euro. Kinder bis 6 Jahre sind frei, ab 7 Jahren zahlen sie 8 bzw. 14 Euro.
Die Wirte unterstützen die Kampagne „So schmecken die Berge“ und haben sich dazu verpflichten, möglichst viele Produkte aus regionaler Landwirtschaft im Umkreis von 50 km zu beziehen.

Kontakt: Tel: +43/664/949 24 46, www.neue-bonner-huette.at, vanessa.chris@neue-bonner-huette.at

Noch ein paar Bilder

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