Die richtige Kindertrage kaufen: Erfahrungen aus dem Praxistest

Geschafft! Einmal tief durchatmen, Frühlingsluft schnuppern und Gesicht in die Sonne halten. Jetzt kann die Wandersaison endlich beginnen. Thema Nummer Eins für viele bergbegeisterte junge Familien ist jetzt: Mit welcher Kindertrage bringe ich mein Kind am besten den Berg hinauf? Worauf muss ich beim Kauf achten?

Auch mit Kind kann man tolle Touren unternehmen, z.B. im Grödner Tal

Auch mit Kind kann man tolle Touren unternehmen, z.B. im Grödner Tal

Die Kindertrage ist natürlich nicht nur für Bergtouren praktisch. Auch auf einfachen Wanderungen und Spaziergängen würde ich eine Kraxe statt des Kinderwagens hernehmen. Schließlich lassen sich damit auch mal schmalere und holprigere Pfade gehen, wo auch der noch so geländegängige Kinderwagen an seine Grenzen stößt. Wir hatten uns deshalb vor fast 4 Jahren den Deuter Kid Comfort III ausgesucht – der Mercedes unter den Kindertragen. Warum? Das lest Ihr hier.

Kindertrage oder Buggy oder Babytragen?

... oder in den Tannheimer Bergen

… oder in den Tannheimer Bergen

Für die Berge ist die Kindertrage eine wunderbare Erfindung. Die Eltern müssen nicht auf ihre Bergausflüge verzichten. Und sind sie fit genug, lassen sich auch ganz vernünftige Touren mit Kind in der Kraxe unternehmen. Das ändert sich erst, wenn das Kind nicht mehr getragen werden, aber auch noch nicht so richtig viel laufen kann (oder will) – also im Alter von 3 bis 5 Jahren etwa. Tolle Sache also die Kindertrage – solange sich das Kind darin wohlfühlt. Denn ist das nicht der Fall, wird so eine Wanderung zum Stresstest.

Noch eine Sache vorab: Es gibt ja auch die Babytragen namens Manduca oder Ergobaby, die man erst als Bauch- und später auch als Rückentrage hernehmen kann. Ich persönlich halte diese für Kinder, die frei sitzen können, nicht geeignet. In der Kindertrage sitzen sie höher, haben meinen Rücken nicht vor der Nase und mehr Bewegungsfreiheit, und ich als Träger finde es ehrlich gesagt auch unangenehm, wenn ich eh schon ins Schwitzen komme, auch noch das Kind eng am Körper kleben zu haben.

Erfahrung macht Vor- und Nachteile sichtbar

Man kommt schnell ins Schwitzen

Man kommt schnell ins Schwitzen

Woran muss man also denken, wenn man sich eine Kindertrage kaufen möchte? Welche Details sind es wert, verglichen zu werden? Gewicht und Preis der Kraxe, Tragekomfort und Stauraum für Gepäck sind natürlich die Faktoren, die Euch jeder Verkäufer darlegen kann. Aber es gibt zahlreiche kleine aber wichtige Details, in denen sich die Kindertragen unterscheiden und deren Vor- oder Nachteile man erst erkennt, wenn man schon einige Touren gegangen ist.

  • Pro und contra Fußschlaufen: Ich finde Fußschlaufen prima, denn meine Tochter wusste oft nicht, wohin mit den Füßen. Wenn die Füße lange Zeit herunterhängen, ist das für die Durchblutung nicht von Vorteil. Gegner von Fußschlaufen kontern gern, dass sich die Kinder darin aufstellen können. Zugegeben: Das ist keine gute Idee, aber wenn die Kinder ordentlich angeschnallt sind, kann es dazu nicht kommen.
  • Schutz für den Hinterkopf und Sitzhöhe: Der Deuter Kid Comfort III, den wir uns zugelegt haben, hat einen sehr hohen Rücken, womit der Kopf des Kindes auch geschützt ist, wenn ich doch einmal bergab ausrutschen und auf den Rücken fallen sollte. In vielen anderen Kindertragen sitzen die Kinder hingegen sehr hoch, den Kopf im Freien.
Unschöne Schlafposition ...

Unschöne Schlafposition …

  • Thema Schlafen: Typischerweise rutscht dem Kind der Kopf immer seitlich weg, wenn es schläft. Als unsere Tochter nicht mehr ganz klein war, hing der Kopf dann immer über dem seitlichen Anschnallriemen, der dann unschön auf den Hals drückte. Das hat mich immer beunruhigt, weswegen immer versucht habe, den Riemen mit irgendwelchen Jacken auszupolstern. Andere Kraxen sind seitlich besser gepolstert, oder haben eine extra Halspolster zum Schlafen. Tipp: Nackenpolster mitnehmen!
  • Das Standsystem finde ich persönlich nicht so relevant, wie oft geschrieben. Die Kinder sollten in meinen Augen sowieso nicht in der Kraxe abgestellt und darin stehen gelassen werden. Die Trage sollte stehen können – zum Be- und Entladen sozusagen.
Schon besser.

Schon besser.

  • Der Sitzkomfort fürs Kind scheint mir wichtiger. Denn ein schreiendes Kind in der Trage kann einem jede Tour verhageln. Deswegen sollte der Sitz breit genug und gut gepolstert sein, damit er nicht nach längerer Tragezeit in die Oberschenkel einschneidet. Die Kindertragen variieren kräftig. Manche haben nur einen sehr schmalen Sitzsteg von 10 cm. Wie unangenehm!
  • Stauraum für Tagesgepäck ist sicherlich wichtig. Übermäßig viel ist aber auch nicht nötig – es sei denn, man möchte tatsächlich mit Kind allein auf Tour. Im Normalfall ist jemand dabei, der einen zusätzlichen Rucksack trägt.
  • Ein abnehmbarer Tagesrucksack – so etwas haben manche Kraxen, der Nutzen erschließt sich mir aber nicht. Selbst kann man ihn nicht tragen, und der Begleiter trägt besser einen richtigen Rucksack.

Was sind Eure Erfahrungen mit Kindertragen? Sitzt Euer Kind gern darin?

Im nächsten Post stelle ich Euch drei gute Alternativen zum Deuter Kid Comfort vor, von Bergans, MacPac und Osprey. Hier geht’s lang.

15 Comments

  1. Servus Ute,
    bin heute zum ersten Mal auf Deiner Seite und wirklich begeistert. Mit 3 Kindern muss man ja immer den inneren Schweinehund wegen des großen Aufwandes überwinden, wenn man auf Tour gehen möchte, aber Du hat tolle Motivationen auf Deiner Seite. Aber auch die Tests sind große Klasse.
    Insbesondere eben der Vergleich der Kindertragen ist großartig und mal sehr praxisnah. Da wir große Bergans Fans sind, bin ich natürlich sehr gespannt auf Deinen Vergleich der anderen 3 Modelle. Wann wird dieser denn erscheinen, oder hast Du Dir zur Bergans Lilletind Child Carrier vielleicht schon eine Meinung gebildet.Sie ist ja ähnlich teuer wie die Deuter. Besten Dank für ein feed back und der Sommer kommt bestimmt!!! Grüße aus dem Frankenland
    Andi

  2. Hi Andi, gut dass Du mich drauf hinweist: Der Vergleich ist schon online unter http://www.zwerg-am-berg.com/2013/05/Kindertragen-zum-Wandern-im-Test.html
    Ich sollte die Posts miteinander verlinken. Ich hatte die Bergans Kids Trekking angeschaut. Die hat den abnehmbaren Rucksack. Das fand ich erst toll, aber wie gesagt: Wozu man den braucht, weiß ich eigentlich nicht. Den Lilletind Child Carrier kenne ich leider nicht, schade.
    Was den Sommer angeht, da hoffe ich, dass Du Recht behältst. Wie habe ich heute im Radio gehört? „Ein Durchsage: Der kleine Herbst möchte bitte im Mai abgeholt werden!“

  3. Hallo Ute
    Ich bin neu in dem Gebiet Wandern mit Kindern. Nun habe ich eine Freundin mit Kind und würde beide gerne mal zu meinen Wanderungen mitnehmen. Das Kind ist fast 3 Jahre alt (mit normaler Statur für das Alter) – gehen dann solche Tragen noch? Und falls ja, wie lange noch in etwa? Ich gehe zwar davon aus, dass die Kleine viel alleine läuft, aber glaube nicht, dass sie das auf längere Strecken schafft…
    Danke, Andreas

  4. Hallo Andreas, die meisten Tragen sind bis etwa 20 Kilo ausgelegt. Also ist das prinzipiell noch möglich. Aber mit fast 3 Jahren sollte sie möglichst viel laufen, denn das wird auf Dauer auch schwer. Da gehört sicher viel Motivationsarbeit dazu. Schau mal hier: http://www.zwerg-am-berg.com/2013/07/wandern-mit-kindern-tipps-fuer-motivation.html Wenn Du eine kinderfreundliche Tour aussuchst, ist der/die Kleine sicher eher zum Laufen bereit (viel Wasser, Tiere auf der Alm, Steige statt Forstwege, und nicht zu lang). Noch ein bisschen Werbung in eigener Sache: Schenk dem Kind mein Tourenbuch für Kinder „Meine Berge“. Wenn es brav läuft, darf es sich damit auf der Hütte einen Stempel abholen, Fotos einkleben etc : http://www.zwerg-am-berg.de
    Ich hoffe, das hilft. Viel Spaß, Ute

  5. Danke Matthias! Werd auf der Outdoor in Friedrichshafen im Juli mal schauen, was es neues gibt in Sachen Kindertrage. Viel Spaß in den Bergen! Ute

  6. Danke schön! Euch auch!

    Und ich hoffe du wirst die Neuheiten beim Thema Kindertrage hier dann nochmal vorstellen! ;-)

    Gruß
    Matthias

  7. Hallo,

    wir suchen eine gebrauchte Kraxe auf e-bay und finden dort neben der von Dir so schön beschriebenen Kid Comfort III auch eine Kid Comfort II und eine Kid Comfort (ohne Nummer). Hast Du Erfahrung mit diesen beiden oder kannst einschätzen was den beiden verglichen mit der Kid Comfort III an Nützlichem fehlt??

    Vielen Dank und viele Grüße,
    Christian

  8. Hallo Christian, ich war neulich auf der OutDoor Messe und habe mir die Kraxen noch einmal angeschaut. MIttlerweile haben fast alle Kindertrage Fußschlaufen, auch die Deuter-Tragen. Die Kid Comfort III ist einfach noch eine Nummer besser ausgestattet. So hat sie den integrierten Sonnenschutz. Den muss man für den Kid Comfort II zusätzlich kaufen. Außerdem hat sie wohl etwas mehr Stauraum. Andererseits ist der Zweier leichter als der Dreier, und günstiger. Nach fünf Jahren Trageerfahrung würde ich aber inzwischen sagen: Weniger ist mehr.
    Viel Spaß auf Tour! Ute

  9. Ein herzliches Hallo-bin beim googlen auf diese Seite gestoßen und kann nur sagen: Hut ab!
    Möchte für meine Enkerl eine Trage kaufen und bin begeistert von den Vergleichen und tollen Ausführungen, schwanke zwischen Deuter Kid Comfort III und MacPacPossum, weil mir hier der Halspolster doch sehr gefällt!
    Danke und liebe Grüße aus Schladming ( bei uns gibt’s übrigens ganz tolle Wanderwege für groß und klein)

  10. Liebe Brigitte, danke für das Kompliment! Bin neulich auch mit meinen Kids durch Schladming durchgefahren auf dem Weg zur Tauplitzalm. Schöne Region! Ja, das Halspolster ist ein schönes Element. Das muss aber wohl auch extra bestellt werden. Im Zweifelsfall kann man sich auch selbst ein solches Polster kreieren. Ich mag da gar keine Kaufempfehlung geben, weil beide Produkte gut sind. Der Mac Pac hat wohl auch einen Regenschutz für den Rucksack, was der Deuter nicht hat. Vielleicht hast Du ja die Möglichkeit, die Tragen zu testen? Das macht die Entscheidung leichter. Liebe Grüße, Ute

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