Abenteuer Kuhstall: Urlaub auf dem Bauernhof in Lüsen

„Die Kühe kommen!“ Es gibt ja so etwas wie ein kollektiv-familiäres Gedächtnis. Darin sammeln sich mit der Zeit auch Sätze an, mit denen wir familienintern bestimmte Erlebnisse verbinden. Für jeden anderen ist das eben ein Ausruf. Uns aber erzählen diese drei Worte eine ganze Geschichte. Seit wir mit den Kindern das letzte Mal auf dem Bauernhof Urlaub gemacht haben – damals auf dem Gutonhof in Wolkenstein – spiegelt dieser Satz die Begeisterung wider, die unsere Kids für das (Tier)Leben auf dem Bauernhof empfinden. Jeden Nachmittag saßen sie auf der Lauer, bis endlich die Kühe von der Weide zum Melken in den Stall heranwankten. Danach wurde neugierig und ausdauernd bei der Stallarbeit zugeschaut. Das Highlight jedes Tages. Die Namen der Kühe kannten die Kids auswendig.

Urlaub auf dem Bauernhof in Lüsen

Herbst in Lüsen. Ist das nicht ein Traum?

Dieses Mal sollte der Ausruf nur ein einziges Mal kommen. Dafür umso lauter und die Aufregung war umso größer. Wir waren auf dem Perseiderhof im kleinen Örtchen Lüsen – wieder einmal in Südtirol, und wieder ein Hof aus dem Roter Hahn-Verbund. Hier am Fuß der Lüsener Alm leben Evi und Alfred Steiger mit dem jüngsten ihrer vier Kinder und zahlreichen Tieren: Ziegen, Hühner und drei Katzen – alles da. Nur der Kuhstall war noch leer. Der Grund: Am Perseiderhof leben nur Kälber. Keine Milchkühe, die täglich zum Melken kommen. Die Kälber genossen noch das freie Leben auf der Alm, bevor sie monatelang im Stall ausharren müssen. Anfang November, aber das Wetter war einfach noch zu gut für das Leben im Stall. Ein wenig anfängliche Enttäuschung darüber ließ sich nicht verbergen.

Urlaub auf dem Bauernhof Lüsen

Der Spielplatz ist hübsch aber nur halb so interessant wie die Tiere am Hof

Bruder und Schwester trösteten sich erfolgreich beim Ziegen- und Hühnerfüttern, sammelten die frisch gelegten Eier ein (so viel Ei in sämtlichen Formen essen wir sonst nie) und testeten aus, wie es ist, ein Haustier zu besitzen (das man sich gerade so sehr wünscht). Brian, der Kater, war oft und gerne in unserer Ferienwohnung und forderte Streicheleinheiten und Fressbares ein. Dass Alfred, „unser“ Bauer, nicht nur Bauer, sondern auch Schreiner ist, war nicht zu übersehen. Überall in der sonst modernen Wohnung hat er Spuren seiner Schreinerkunst hinterlassen. Holz überall, allein das Bett aus Zirbenholz ist ein Hingucker für sich. Und mit Liebe zum Detail wurden uns auch die Produkte vom eigenen und von den Partnerhöfen serviert, von Joghurt und Butter über Marmelade bishin zu den Eiern.

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Das Bett, ein Schmuckstück aus Holz :-)

Anfang November bekommt das Lüsener Tal zwar leider nicht mehr allzu viel Sonne ab. Aber um trotzdem das herrlich sonnige Herbstwetter ausnutzen zu können, gab es genug Möglichkeiten. Zum Beispiel liegt Lüsen nur eine halbe Stunde von der wunderschönen Bischofsstadt Brixen entfernt. Auf jeden Fall einen Ausflug wert. Man kann natürlich auch wunderbar wandern. Rund um das Würzjoch zum Beispiel, oder oben auf der Lüsener Alm. Doch dazu mehr in einem anderen Beitrag. Was den Perseiderhof in Lüsen aber sehr besonders macht, ist die Planl-Hütte. Hier könnt Ihr ausgiebig Sonne tanken.

Bauernhofurlaub mit Kindern in Lüsen

Alfred und die Kids bei der urigen Planl-Hütte

Urlaub auf dem Bauernhof Lüsen

Endlose Spiele vor der Planl-Hütte

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Sonniges Plätzchen, die Planl-Hütte

Die Planl-Hütte ist eine gemütliche kleine Selbstversorgerhütte ohne Strom und Funknetz auf 1900 Metern. Sie gehört zum Perseiderhof und wird von Familie Steiger an gestresste Großstädter vermietet. Die können dort mal eine Auszeit in gänzlicher Abgeschiedenheit genießen und echt abschalten – auch das Smartphone, denn das hatte in unserem Fall keinen Empfang. Gäste der Ferienwohnung nimmt Alfred gern einen Tag mit hinauf, denn mit eigenem Pkw ist die Anfahrt nicht zu empfehlen. Unsere Kinder haben sich dort oben den halben Tag mit Spielen am Brunnen vertrieben. Den anderen halben in der Heuschupfe. Dort steht ein Heubett, in dem man testen kann, wie Heidi sich einst fühlte, wenn sie schlafen ging. Es muss ein besonderes Erlebnis sein, hier ein paar Tage im Winter zu verbringen, mit Schneeschuh- oder Skitouren im unberührten Schnee und in absoluter Stille.

Urlaub auf dem Bauernhof Lüsen

Wie Heidi: Chillen im Heu

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Mal ausprobieren, wie sich das trägt

Urlaub auf dem Bauernhof

Abenteuer Heuschupfe

Nach diesem Tag hatten die Kids Bauer Alfred so richtig ins Herz geschlossen. Jakob fragte ihm Löcher in den Bauch und Alfred antwortete geduldig. Doch am vorletzten Tag wurde es draußen plötzlich unruhig. Ein Wetterwechsel hatte sich für die nächsten Tage angekündigt. Mit lauten Rufen trieben Bauern ein paar Kühe über die Straße, die ziemlich wild umeinander sprangen. Als sie auf den Hof kamen, rannten die Kinder auf den Balkon und schrien endlich wieder: „Die Kühe kommen!“

"Die Kühe kommen!"

„Die Kühe kommen!“

Was für ein Schauspiel! Die noch wilden Kälber dachten nicht daran, in den Stall zu gehen. Verschreckt sprangen sie über den hofeigenen Spielplatz. Eines wagte den Sprung über den Zaun und blieb obendrauf hängen. Zum Glück blieb es unbeschadet. Aber solltet Ihr unsere Kinder einmal auf unseren Urlaub in Lüsen ansprechen – dieses Erlebnis wird das erste sein, was sie Euch erzählen werden. Ein Stück Kuhfell des gestrandeten Kälbchens am Zaunpfahl ging später als Trophäe mit.

Urlaub auf dem Bauernhof Lüsen

Kühe gucken mit Alfred, pure Begeisterung

Als die Kälber dann endlich alle im Stall waren und etwas Ruhe einkehrte, waren die Kinder nicht mehr zu halten. Ab in den Stall! Kühe gucken. Und sich von Alfred alles erklären lassen. Und am nächsten Tag wieder. So wie sich das für den perfekten Bauernhofurlaub gehört.

Tipps rund um den Perseiderhof

Im Spätherbst und Winter ist das Lüsener Tal ein schattiges Plätzchen. Das sollte man wissen. Aber man ist schnell am Berg, wo die Sonne am längsten scheint. Schöne Wanderungen bietet die Lüsener Alm zur Kreuzwiesnhütte und weiter auf das Astjoch oder Campilljoch (Zufahrt zum Wanderparkplatz 10 Minuten), rund um das Würzjoch (15 Minuten mit dem Auto) vor der Kulisse des Peitlerkofel (mehrere kleine Almhütten), oder aber vom Villnösser Tal auf die Geisleralm (halbe Stunde mit dem Auto). In St. Peter im Villnösstal sollten Bergbegeisterte zum Friedhof bei der beeindruckenden Kirche pilgern. Es gibt viele Messners dort begraben, aber einer heißt Günther und war der am Nanga Parbat verunglückte Bruder vom berühmten Reinhold.

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Rund ums Würzjoch lässt sich fein wandern.

Wer im Winter alternativen Urlaub statt Pistengaudi bevorzugt, der ist in Lüsen gut aufgehoben. Die Lüsener Alm ist auf leichte Schneeschuhtouren, Winterwanderungen und Skilanglauf ausgerichtet. So eine Skiwanderung quer über diese aussichtsreiche Hochalm stelle ich mir wunderbar vor. Ich habe diese Überquerung vorbei an zahlreichen Almhütten mit dem Mountainbike gemacht – ebenfalls sehr lohnenswert. Mit Kindern muss man auch nicht vom Tal hinaufstrampeln, sondern kann in Zumis auf 1900 Metern starten. So lässt sich die ganze Lüsener Alm mit Kindern auf zwei Rädern erkunden.

Kinder, die gern reiten, sollten mal beim Heroler Hof auf 1650 Metern vorbeischauen. Vier Haflinger besitzt der Bauer dort, mit denen er gern ausreitet. Wir haben es in der einen Woche leider nicht mehr geschafft.

Noch mehr Bauernhof-Abenteuer haben wir auf dem Beimsteinhof am Tschögglberg erlebt.

Weitere Bauerhöfe in Südtirol findet Ihr auch beim Roten Hahn.

Wichtiger Hinweis: 
Meine Familie wurde vom Roten Hahn zu dieser Reise eingeladen. Meine hier  
beschriebenen Eindrücke sind dennoch authentisch und bleiben davon 
möglichst unbeeinflusst.

 

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