Tolles Hollhaus: Bergferien auf der Tauplitz

Ich bin Mutter. Ich habe gelernt, dass ich manchmal Dinge tun muss, die mir widerstreben. Zum Beispiel Bummelzug fahren. Noch schlimmer: In den Bergen Bummelzug fahren. Aber Bummelzug fahren war eines der Highlights unserer sommerlichen Bergferien auf der Tauplitzalm. Zumindest für meinen Sohn, vier Jahre. Und Klaus war sein Held. Denn der fuhr den Bummelzug.

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Unser Bummelzug

Klaus heißt mit Nachnamen Hüttner und ist Hüttenwirt im Hollhaus auf der Tauplitzalm, einem Hochseeplateau am südlichen Ende des zwar „Toten Gebirges“, wo wir aber eine sehr lebhafte Woche Bergferien des Alpenvereins verbrachten. Und nein, wir sind nicht nur Bummelzug gefahren, wir waren auch wandern. Das kann man dort nämlich mit Kindern sehr gut.

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Speedhiking am Steirersee

Es waren unsere ersten Bergferien auf einer Alpenvereinshütte. Das Hollhaus auf 1621 m gelegen, habe ich gewählt, weil ich mit dem Auto direkt vor die Tür fahren kann. Das klingt nicht sportlich und auch nicht nach Naturerlebnis. Aber es erleichtert einiges, wenn man mit zwei Kindern allein eine Woche in den Bergen verbringt, nämlich das Packen und die Anreise. So manchen Komfort nehme ich dankend in Kauf, so auch den Bummelzug.

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Vorm Hollhaus

Der brachte uns und die Kinder flugs quer über die Hochalm. So konnten wir auch Wandertouren unternehmen, die nicht direkt am Hollhaus starten und für die Kleinen einen zu langen Fußmarsch bedeutet hätten. Die Tauplitz hat nämlich so einiges zu bieten. Besonders schön für Kinder: An sechs Seen vom kleinen Märchensee, über den idyllischen Schwarzsee bis zum großen Steirersee führen einfache Wanderwege entlang. Dort konnten die Kinder mit den Betreuerinnen ihren Bade- und Spieltrieb ausleben, während die Eltern mit Wanderführerin den nahegelegenen Gipfel in Angriff nahmen.

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Spielen am Steirersee

Dass wir die einzige Schlechtwetter-Woche in diesem Jahrhundertsommer erwischt haben, das schlug höchstens bei den Erwachsenen auf die Stimmung: Klaus hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Kindern in seinem Hollhaus bei jedem Wetter eine unvergessliche Ferienwoche zu verschaffen. Langeweile kam jedenfalls nicht auf.

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Klaus im Einsatz

Bei Schlechtwetter verwandelte sich der Pavillon in einer Bastelwerkstatt, wo mit den Kinderbetreuern Wasserräder gebaut, gemalt und Fackeln gebastelt wurden, die am letzten Tag bei der Fackelwanderung zum Einsatz kamen.

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Fackeln aus Eigenbau

Abgesehen davon, hatten sich besonders die Mädels sehr bald so gut organisiert, dass sie das Hollhaus im Alleingang erkundeten. Die Tochter ward den ganzen Tag nicht mehr gesehen.

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Schlechtwetter-Bespaßung

In manchen Ecken versprüht die Hütte zwar den Charme einer sympathischen Rümpelbude, aber das Chaos hat offenbar System, die Zimmer und Gaststuben sind sauber und gemütlich, das Personal sehr freundlich und das Essen sehr gut, wenn auch für die Kinder manchmal zu besonders – sie mögen’s ja oft einfallslos (Nudeln, Pommes, Schnitzel). Der Renner war die gusseiserne Riesenpfanne voller Kaiserschmarrn. Für mich, die ich allein mit den Kindern im Urlaub war, waren die Bergferien eine  Offenbarung: Sohnemann hat das Wandern entdeckt und die Große den Hüttenspaß. Urlaub mit Kindern in den Bergen, aber so, dass ich dank Kinderbetreuung den einen oder anderen „Erwachsenen“-Gipfel mitnehmen kann – ohne Bummelzug.

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Gipfeltour für Erwachsene

Hier ein paar Tourenvorschläge für die Tauplitzalm:

Mit kleinen Kindern:

Um den Krallersee auf den Schneiderkogel: Eine kleine Tour zum warm werden direkt vom Hollhaus weg. Der Krallersee ist der Haussee der Hütte und auf den Schneiderkogel führt im Winter ein Sessellift. In weniger als einer halben Stunde umrundet man den See und auf der anderen Uferseite führt ein Pfad steil über freie Wiesen den Hang hinauf. Der Steig quert den Hang zur Bergstation des Lifts. Bergab über die Piste. Der Wanderweg führt die Straße querend direkt zum Hollhaus zurück. (150 Hm, 3,5 km, ca. 2 h Gehzeit)

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Blick vom Schneiderkogel

Um Märchensee und Großsee zu Grazer Hütte und Naturfreundehaus: Eine etwas längere Tour auf schönen Wanderwegen mit tollen Spielmöglichkeiten am Wasser und schöner Einkehr. Der versteckt gelegene Märchensee verdient seinen Namen zu recht und die Grazer Hütte ist eine Einkehr wert. (170 hm, 5,5 km, ca. 2,5 h Gehzeit)

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Wasserspaß am Märchensee

Von der Grazer Hütte zum Schwarzsee: Hier kommt der Bummelzug ins Spiel. Er hält nahe der Grazer Hütte. Von dort geht’s zu den einladenen Steirerseehütten, wo man am liebst schon wieder einkehren will. Vorher geht’s aber einmal um den Steirersee. Wir sind mit den vielen Kindern nach den Hütten rechts hinab zum Richtung See gegangen und haben den unteren Steig über dem See genommen, ein anderer führt 100 Hm oberhalb entlang (Salzsteigweg). Hat man den See passiert, geht es noch ein kurzes Stück weiter zum Schwarzsee. Ein herrliches Stück Erde! Zurück geht es auf der anderen Seite des Steirersees und dann am Bachbett entlang hinauf zu den Steirerseehütten. (300 Hm, 6 km, ca. 3 h Gehzeit)

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Am Steirersee

Mit gößeren Kindern:

Von der Grazer Hütte auf den Rosskogel: Verlängerung der Schwarzseetour. Ist man einmal am Schwarzsee, ist der nächste Gipfel für größere Kinder nicht weit. Der Rosskogel ist in weiteren 2 km und 300 Hm zu erreichen und bietet sowohl eine weitere Einkehrmöglichkeit in der idyllischen Leistalm, als auch eine schöne Aussicht auf die südlichen Gipfel des Toten Gebirges (Traweng, Sturzhahn, Großes Tragl).

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Gipfelglück auf dem Rosskogel

Auf den Lawinenstein: Haus- und Skiberg des Hollhaus. Wegen der Liftanlage sicher nicht die reizvollste Tour, aber der Blick auf die Tauplitz ist herrlich. Keine Rundtour. (300 Hm, 4 km, 2,5 h Auf- und Abstieg)

Für Erwachsene:

Auf den Traweng: Hinter der Grazer Hütte geht es sofort steil hinauf. Bald passiert man eine Höhle und einen noch recht jungen Felssturz. Der Fels ist zum Teil fixiert worden. Je höher man steigt, desto verkarsteter ist das Gelände. Ein Rundweg auf der Höhe lohnt sich, ebenso der Abstecher nach Westen zu einem Felsenfenster, das wir ohne Wanderführerin nicht gefunden hätten. Wegen der dichten Bewölkung konnten wir nur erahnen, welche beeindruckende Aussucht auf des Tote Gebirge einen am Gipfel erwartet. (350 Hm, 1h Gehzeit im Aufstieg, leicht)

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Flüchtiger Blick vom Traweng auf den Sturzhahn

Auf den Großen Tragl: Daraus wurde leider nichts wegen des Wetters. Der Weg führt von der Grazer Hütte Richtung Steirerseehütten und anschließend links unterhalb des Sturzhahns hinauf. (leicht, 600 Hm, 2 h im Aufstieg) Es gibt also noch etwas zu tun auf der Tauplitz.

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Und jetzt Ihr! Welche Hütten sollten wir unbedingt mal mit Familie testen? Schreibt es mir in den Kommentar hinein.

Weitere Hüttentipps mit Kindern:

Neue Magdeburger Hütte im Karwendel

Dresdner Hütte im Stubai

Die Freiburger Hütte im Lechquellengebirge

 

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