Paradies aus Kies: die Grießbachklamm

Wusstet Ihr schon? Manchmal führt der Weg ins Paradies durch eine Klamm. Zum Beispiel bei Erpfendorf in den Kitzbüheler Alpen. Palmen, Sandstrand oder Meer – all das braucht es dafür nicht. Hier am Grießbach, wo das Wasser über die Jahrhunderte ganze Arbeit geleistet, Felsen ausgespült, sich Meter für Meter tiefer in den Kalkstein gegraben und immer wieder neue Kies-, Schotter- und Sandmassen angespült hat, breitet sich ein Spielplatz aus, wie ihn nur die Natur erschaffen kann und der nicht nur Kinderherzen höher schlagen lässt.

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Jedes Jahr steht bei uns mindestens eine Klammwanderungen auf dem Programm, denn das ist immer wieder ein Erlebnis. Und jede Klamm hat ihren eigenen Reiz. Die wilde Wolfsklamm war unser bisheriger Favorit. Die Grießbachklamm im Sommer letzten Jahres steht ihr in nichts nach, dabei ist sie ganz anders. Das Besondere an ihr: Das Bachbett bleibt an ruhigeren Stellen zugänglich und lädt zum Rasten und Spielen ein, der Steg hat nicht einmal ein Geländer.

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Wenn im Frühjahr der letzte Frost aus den meterhohen Felswänden der Schlucht gekrochen ist, wird die Grießbachklamm für Wanderer wieder zugänglich gemacht. 2012 wurde sie vom Hochwasser heimgesucht, seit dem Sommer 2013 führt hier ein neu befestigter Steig am und über das Wasser entlang, teils in die Felswand geschlagen, teils als breiter Holzsteg angelegt, der bis zu drei Meter über dem Bach zu schweben scheint.

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Laut mahnende Rufe ihrer Mütter begleiten die Kinder in die Klamm hinein, deren Felswände beidseitig immer höher und enger stehen, je weiter man hineinwandert. Nicht auszuschließen, dass man sich mitunter im Dschungel wähnt, denn statt kahl und schwarz sind die Felswände über und über mit Gras bepolstert.  Die Geräuschkulisse in der Grießbachklamm wechselt ständig zwischen leisem Plätschern und lautem Tosen.

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Schlagartig lauter wird das Rauschen nach der zweiten Hängebrücke. Zögernd  betreten die vorsichtigen Kinder das wackelnde Etwas, während die Draufgänger vom Schaukeln nicht genug bekommen und dem Ganzen unter übermütigem Gelächter nachhelfen. Doch rechterhand fällt hier der erste von zwei Wasserfällen herab und verschluckt das Schreien der Kinder. Kaum dass das Rauschen verebbt, kommt wenige Gehminuten später schon das Tosen von links. Doch hat man diesen Wasserfall passiert, wird es still. Die Schlucht öffnet sich. Auf einem Pfad durchs Kiesbett erreichen wir jenen paradiesischen Ort, den die Kinder so schnell nicht freiwillig verlassen werden. Na gut, der Mensch hat hier dann doch ein wenig nachgeholfen mit Slacklines zwischen den Bäumen, einem Barfußweg und einem Meditationsplatz für Ruhesuchende.

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In Rinnsalen zieht sich hier der Bach durch aufgespülte Kiesbänke und Schotterinseln, hier und da bilden sich flache Tümpel mit klarem Wasser. Es dauert nicht lang – schon baden sich die nackten Kinderfüße im kalten Wasser, balancieren über Steine und Baumstämme oder erfühlen den Barfußweg. Und während hier Zweige von Kinderhand zersägt, geschnitzt und zum Floß verknüpft und anderswo Kieselsteine zu Dämmen aufgetürmt werden, lassen wir Erwachsenen uns vom allgegenwärtigen Rauschen und Kinderlachen in jenen Zustand versetzen, der sich in einem zufriedenen Grinsen auf dem Gesicht widerspiegelt.

Nach einer ausgiebigen Pause folgt der Weg zunächst weitere 300 Meter dem Griesbach aufwärts bis links der Abzweig der Großen Grießbachrunde zu einer weiteren Brücke über den Bach hinab- und anschließend den Holzfällersteig hinaufführt. Der kindliche Übermut gerät spätestens hier ein wenig ins Stocken und die Kinder aus der Puste. Zeit also, zwischendurch Kraft zu schöpfen: auf der Grießbachkanzel, einem Aussichtspunkt, der noch einmal den Blick zurück freigibt auf das Paradies aus Kies.

Tourverlauf

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Tourverlauf Grießbachklamm | gpsies.com

Das müsst Ihr wissen

Keine Einkehrmöglichkeit auf der Tour, dafür unzählige schöne Picknickplätze! Am Ende der großen Grießbachrunde könnt Ihr im schicken Lärchenhof einkehren.

Die Grießbachklamm öffnet wieder im Mai 2016.

Wie weit? 5,5 Kilometer
Wie hoch? 180 HöhenmeterWie lang? 2 Stunden (ohne Pausen)

Anfahrt

A 12 (Inntal) bis Ausfahrt Kufstein Süd, über Eiberg (B 173) und B 178 nach St. Johann. Weiter nach Kirch- und Erpfendorf, kurz nach dem Ort folgt rechts der Parkplatz Grießbachklamm. Rosenbühel- weg, A-6383 Erpfendorf

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