EOFT 2016/17: meine Highlights

Immer, wenn der Oktoberschnee die Berge erstmals im Jahr heimsucht, ist die EOFT nicht weit. Das zumindest ist mein Eindruck in den vergangenen Jahren. Aber während der Schnee schnell wieder weg ist (und gern bis nach Weihnachten wieder auf sich warten lässt), bleibt die EOFT und zieht mit ihren Outdoorfilmen quer durch Europa und führt mit bewegenden Natur- und Actionaufnahmen durch den grauen Herbst. Auf der Premiere in der Münchener BMW Welt habe ich einen Vorgeschmack bekommen auf das, was kommt, und das, was in Erinnerung bleiben wird.

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Ohrwurm- und Lachgarantie: „The Adventures of the Dodo“

Der Lustigste: „The Adventures of the Dodo“

Wer in dieser Jahreszeit zu Depressionen neigt, den wird der Film „The Adventures of the Dodo“ aufheitern. Er bringt die Lachmuskeln in Fahrt und wird bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch wenn die Crew, bestehend aus den vier Piolet d’Or-Gewinnern Sean Villanueva o’Driscoll, Benjamin Ditto, Olivier Favresse und Nicolas Favresse, nicht nach dem Film auf der Bühne live ihren Dodo-Song jammt wie bei der Premiere. So manchen begleitete der Song als Ohrwurm durch die nächsten Tage.

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Feinste Big-Wall-Kletterei in Baffin Island

Per Segelschiff, der „Dodo’s Delight“, reisen die Abenteurer zu den Big Walls auf Baffin Island, durch schwimmende Eisberge manövriert von ihrem 79-jährigen Kapitän Reverend Bob. Mit einer großen Portion Selbstironie erzählt der Film von den Erlebnissen dieser fünf durchgeknallten Abenteurer. Bob haut mit seiner verschwindend kleinen Axt auf einen riesigen Eisberg ein, in dem der Anker des Boots eingefroren ist und sorgt für schallendes Lachen, wenn dieser tatsächlich in diesem Moment zufällig auseinanderbricht.

Neben den kuriosen Erlebnissen und durchzechten Nächten werden die Erstbegehungen einiger anspruchsvoller Routen fast zur Nebensache. Das Ganze wird wunderbar humorvoll erzählt mit einer Stimme wie aus einem Kindermärchen, und dabei ganz ohne Pathos. Immer wieder erfrischend, wenn  Menschen, die Großes leisten, sich trotzdem nicht allzu ernst nehmen.

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Emotionen auf Achterfahrt: „Down to Nothing“

Der Bewegendste: „Down to Nothing“

Burma ist ein wunderbares Land, zumindest der kleine Teil davon, den ich vor 15 Jahren dort bereisen durfte. Wieviel die damalige Militärjunta den Reisenden vorenthielt (der ganze Norden durfte nicht bereist werden), lässt der Film „Down to Nothing“ erahnen: Der Dschungel, den die Abenteurer durchqueren müssen, um den vermutlich höchsten Berg Südostasiens zu besteigen, will einfach nicht enden.

Als sich der Hkakabo Razi nach einem zehntägigen Dschungeltrek zum ersten Mal am Horizont zeigt, hat die exotische Anreise bereits ihren ersten Preis gefordert: Ein Großteil der Ausrüstung und Vorräte musste am Wegesrand zurückbleiben. Die amerikanische Alpinistin Hilaree o’Neill, die die Expedition leitet, sieht sich Zweifeln der mitreisenden Männer an ihrer, Hilarees, körperlichen Befähigung ausgesetzt, den Berg besteigen zu können.

Ihre Unsicherheit gegenüber dominanten und hochambitionierten Mitstreitern, ihre Enttäuschung und ihr Frust darüber, sich als Frau immer wieder neu beweisen zu müssen, sind ihr deutlich anzusehen. Sie leidet unter Selbstzweifeln, ausgelöst durch den Vertrauensverlust der vermeintlichen Freunde. Der Film zeigt auch die Probleme auf, die entstehen können, wenn verschiedene starke Persönlichkeiten ein Team in existenziell bedrohlichen Situationen bilden sollen. Die Akzeptanz der Frau in dieser Gruppe ist alles andere als selbstverständlich.

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Highspeed durch Gletscher: „La Liste“

Der Erstaunlichste: „La Liste“

Mit fantastischen Bildern steiler, verschneiter Bergwände und spektakulärer Lines schmeichelt der Film „La Liste“ dem Auge jedes Freeride-Fans – und lässt Kinnladen offen stehen. Was Steilwandskifahrer Jérémie Heitz in diesem Film macht, ist mehr als Freeride. Highspeed-Riden nennt man das wohl. Er hat sich die Skibefahrungen der 15 spektakulärsten 4000er der Alpen vorgenommen, darunter das Zinalrothorn und die Lenzspitze. Nach dem Aufstieg aus eigener Kraft heraus und noch bei 55 Grad Gefälle zeigt Heitz die Nerven, große Schwünge zu machen. Häufig aber scheint er mehr zu fliegen als zu fahren. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern stürzt sich der 26-jährige Walliser die Schneewände hinab und erreicht den Fuß des Berges so schnell, dass seine Angst sowie die eine oder andere Lawine erst nach ihm ankommen.

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Der Überflüssigste: „When We Were Knights“

Man mag ja vom Basejumping halten was man will. Man muss es auch nicht verstehen. Jeder lebt sein Leben, und jeder riskiert es auf seine Weise. Trotzdem hat mich der Film „When We Were Knights“ in keiner Weise berührt, obwohl die Story vom Brief eines Basejumpers an seinen Freund und Partner genau das wollte. Matt Blank und Ian Flanders verbindet eine tiefe Freundschaft, doch ein einziger Sprung zerreißt das Band ihrer Freundschaft für immer. Das hatte ich schon einmal. Leider laufen diese Basejumping-Filme immer wieder auf das gleiche hinaus: den Tod. Mit seiner eigenen Illegalität auf der Bühne zu kokettieren („Mein halbes Leben ist illegal …“), macht das Ganze dazu leider auch nicht cooler.

Fazit: Allein für die großartigen Filme „The Aventures of the Dodo“ und für „La Liste“ lohnt der Besuch der diesjährigen EOFT. Auf jeden Fall wieder ein ausgefallenes Filmvergnügen. Und irgendwie hat es doch etwas, anschließend über streitbare Filme zu diskutieren.

Der EOFT-Trailer

Die EOFT-Termine im Überblick findet Ihr hier.

 

2 Comments

  1. Bei dem Trailer bekommt auf jeden Fall Lust alles stehen und liegen zu lassen und zu reisen. Grade das Sonnen auf der Eisscholle ist eine gute Idee :D

  2. Hi Markus, ja, das gibt schon einen kleinen Vorgeschmack auf die verrückte Crew. War wirklich ein riesen Gaudi. LG Ute

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