Mit Kindern auf die Bodenschneid

    Eigentlich sollte es nur eine kleine Frühjahrswanderung mit Familie werden. Zum Aufwärmen sozusagen. Einfach mal die Kinder „auslüften“, sie in Bewegung bringen. Denn Corona hatte dafür gesorgt, dass sämtliche Sportvereine geschlossen wurden, die Kinder nicht mit ihren Freunden herumtoben durften. Für die tägliche Dosis Bewegung mussten schon wir Eltern sorgen und das ist nicht immer möglich, wenn beide Elternteile arbeiten.

    Also raus an den Berg! Und mal sehen wie weit uns die Füße tragen. Am Ende war’s ein weiterer Eintrag samt Gipfelstempel in unseren Tourenbüchern.

    Wieder einen See von oben sehen

    Über Almen zum Suttenstein

    Ausgangspunkt sollte die Sutten sein, dieses schöne Tal hinter Rottach-Egern südlich vom Tegernsee. Hierher bringt uns die Mautstraße ab Enterrottach schon ein paar Höhenmeter hinauf bis auf 1000 Meter. Sonnseitig führt hier ein wenig begangener Weg über die (leider geschlossene) Hafneralm und Suttenalm hinauf zum Suttenstein, einem kleinen Aussichtspunkt. Von hier hat man dann schon den ersten Blick hinüber ins Spitzinggebiet, auf die Firstalmen. Ob wir es dann noch auf die Bodenschneid schaffen würden, ließ ich offen.

    Na gut, die Beine waren noch schwer, der Forstweg zur Suttenalm landschaftlich schön, aber nicht wirklich spannend. Natürlich war es auch nicht sonderlich motivierend, dass erstens die einst so beliebte Hafneralm sowieso geschlossen hat, die Lukasalm kurz danach aber auch – wegen der Pandemie. Und da war ich dann froh, dass ich die Walkie Talkies mitgenommen hatte, mit denen die beiden sich vorzüglich unterhielten. Erst recht, als sich weiter oben dann ein drittes Kind in die Konversation einklinkte. Wer auch immer das war, ich war dem Kind dankbar für ein wenig Unterhaltung.

    Blick vom Suttenstein auf die zurückgelegte Strecke

    Weiterwandern oder verweilen?

    Oberhalb der Suttenalm wird der Weg dann aber abwechslungsreicher – wenn ihr den Abzweig nicht verpasst. In der Linkskehre direkt unterm Suttenstein zweigt ein kleiner Steig rechts ab, den wir gleich links hinauf folgten. Nach wenigen Metern lustiger Wurzelkletterei erreicht man dann schon den Bergrücken zwischen Tegernseer Tal und Spitzingseegebiet.

    Die Kinder waren plötzlich weg. Kaum zu glauben, was für eine Anziehungskraft so ein kleines Altschneefeld haben kann. Jedenfalls rannten sie geradewegs hinab Richtung Firstalm und hockten sich auf den kühlenden Schnee.

    Spannender Steinweg auf dem Weg zum Gipfel

    War’s das? Oder weiter? Die Firstalm im Blick wäre die Einkehr zu verführerisch gewesen – wäre da nicht das Coronavirus, und mit ihm ein Riegel vor jeder einladenden Hütte. Ein Blick vom Suttenstein steil hinab in die Sutten und dann noch einer auf den Weg, der zur Bodenschneid weiterhinaufführt, und schon waren wir auf dem Weiterweg.

    Lohnenswertes Stück Natur

    Der zeigt sich nämlich von einer ungewöhnlichen Seite, ein holpriger Steinweg mit seltsamem Anblick. Weiter oben durchquert der Anstieg einen mystisch dunklen Wald mit gelegentlichen Ausblicken ins Spitzinggebiet, auf den Taubenstein und die Rotwand. Alles in allem ein sehr lohnenswertes Stück Natur.

    Brecherspitz, Rotwand und Taubenstein im Blick samt Spitzingsee

    Einmal aus dem Wald herausgetreten ist es auch schon nicht mehr weit bis zum stattlichen Gipfelkreuz. Die letzten Meter bringen die Kinder schon zum Staunen: vor uns der weite Blick über den Tegernsee und davor der Gipfel, rechts der steile schneedurchsetzte Abhang, der Blick zur Brecherspitze und zum Spitzingsee. Ein weitverzweigtes Wegenetz lockt mit zahllosen Routen über andere Gipfel und Almen rund um die Brecherspitze.

    Gipfelgenuss im Überfluss

    Ein Foto der Kinder auf dem Fels hoch überm Tegernsee war natürlich Ehrensachen, aber ganz wohl war mir angesichts der steilen Abbrüche dabei nicht, und ich lockte sie schnell wieder von dort weg zur Brotzeit. Außerdem ist das der eindeutig beliebteste Spot, wegen seiner instagram-tauglichen Kulisse. Andere Wanderer wollten auch.

    Die letzten Meter zum Gipfelkreuz

    Nach einer langen Genießerpause ging’s dann im gefühlt ewigen Zickzack durch den Wald hinab zur Bodenalm. Die untrainierten Füße brannten bereits, die Kinder vermissten ihre guten Lowa-Schuhe, die schon wieder zu klein waren. So zog sich der Abstieg dann bis hinunter in einen zauberhaften Buchenwald, durch dessen zartgrünes Blätterdach die Sonne blinzelte, während unter unseren Füßen rhythmisch das alte Laub raschelte.

    Langer Abstieg durch Wald und über die Bodenalm

    Gut zu wissen

    Die Bodenschneid wird meist vom Spitzingsattel – in einer längeren Version von Neuhaus aus – über das Bodenschneidhaus bestiegen. Da es früh im Jahr war, suchten wir den sonnigsten Weg und stiegen nicht durch den Wald und die Bodenalm auf.

    Tourverlauf auf AllTrails.com

    Wie hoch? 680 Höhenmeter
    Wie weit? 7,9 Kilometer
    Wie lang? 5 Stunden

    Anfahrt

    Mit dem Auto A8 bis Holzkirchen, über Tegernsee bis Rottach-Egern, dort Richtung Enterrottach und auf der Mautstraße in die „Sutten“ bis Parkplatz Suttenbahn oder Moni/Hafneralm wieter hinten im Tal.

    Post a Comment

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.