Welcher Fahrradanhänger für das Mountainbike?

Mountainbiker-Mamis sind mit dem Dilemma vertraut: Nach 9 Monaten Schwangerschaft und der Geburt ist die Freude über das Kind groß. Doch irgendwann kann man den Moment nicht mehr erwarten, das geliebte Radl wieder zu satteln und ein paar Höhenmeter zu schrubben. Doch abgesehen von der eigenen Fitness, die in den vergangenen Monaten schwer gelitten hat, stellt sich die Frage: Kann ich das mit meinem Baby machen? Und wenn ja, wie?

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Mir fiel zu dieser Frage immer ein bestimmter Tag am Gardasee ein. Wir überholten an einer gar nicht so harmlosen Hütten-Auffahrt ein junges Mountainbiker-Paar. Er zog einen Fahrradanhänger mit Kind, nein mit zwei (!) Kindern hinter sich her und sie fuhr neben dem Gespann und unterhielt die Familie. Die beiden Mädchen waren dem Babyalter schon längst entwachsen und brachten zusammen mindestens 25 Kilo auf die Waage. Respekt! Wir kamen auch ohne Anhänger genügend ins Schwitzen.

Genusstouren statt Singletrail

So ungefähr habe ich mir das natürlich auch für mich vorgestellt. Aber schon die Internetrecherche zum Thema Fahrradanhänger und „Mountainbike mit Baby“ hat mich ausgebremst. Denn im Netz begegnet man nahezu militanten Gegnern dieser Idee und sehr schnell hatte man mir ein schlechtes Gewissen eingepflanzt.

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„Egoisten, die aufs Mountainbiken nicht verzichten könnten, sollten gefälligst keine Kinder in die Welt setzen.“ So ungefähr lautete die Essenz der Schimpftiraden. Dieser zum Trotz habe ich mir angeschaut, welche Anhänger sowohl für den Alltag als auch für Touren auf Wald- und Forstwegen taugen könnten. Denn: Ich plane keine wilden Singletrailfahrten mit meiner Tochter. Mein Ziel sind gemütliche Almen und Berghütten – Genusstouren nennt man das wohl.

Hängematte statt Babyschale

Das Angebot an Kinder-Fahrradanhängern ist mittlerweile riesig. Zu den gängigsten Marken gehören sicherlich Chariot und Burley – der sportlichere von beiden ist der Chariot.

Wichtig für mich:

  • ein niedriges Gewicht
  • eine optimale Federung.

Zu überlegen ist auch, ob man sich nicht gleich einen Zweisitzer kauft – für weiteren Nachwuchs oder diverses Gepäck und Spielzeug. Da sich gut erhaltene Fahrradanhänger aber hervorragend wieder verkaufen lassen, habe ich mich für den Einsitzer von Chariot Cougar entschieden – leicht, unproblematisches Handling beim An- und Abkuppeln, schöne große Räder (gut auf etwas holprigeren Wegen) und bestens gefedert.

Apropos Federung: Es gibt für diesen Anhänger eine extra „Hängematte“ (bis ca 9 Kilo), die anstelle einer Babyschale im Anhänger installiert wird. Mit ihr werden Stöße noch besser abgefedert. Mein Mann ist die ersten Male neben uns hergefahren. Seine Beobachtung: Das Baby schaukelte nicht stärker im Anhänger als es das auch im Kinderwagen tut. Und genauso gut schlief sie während unserer ein- bis zweistündigen Ausfahrten über Wald- und harmlose Feldwege – da war sie gerade 5 Monate jung.

Die Preisfrage

Zugegeben: Der Chariot ist mit 600 bis 700 Euro (je nach Ausstattung) die teurere Variante unter den gängigen Fahrradanhängern, und mit den optionalen Ausstattungen – vom Buggy- über das Jogger- bishin zum Ski-Set – kann man ein kleines Vermögen ausgeben. Aber wie gesagt: Bei guter Pflege lassen sie sich gut wieder verkaufen.

Und es geht noch teurer. Der Tipp für Cracks: der Singletrailer von Tout Terrain. Ist luftgefedert mit 20 cm Federweg, ist mit nur einem Rad schön schmal und geländegängig und kann durch seine Konstruktion nicht umfallen. Das Ganze hat seinen Preis (ca. 1500 Euro).

Stellt sich die Frage, wie oft will ich wirklich Singletrails mit dem Nachwuchs fahren, wenn überhaupt? Großer Nachteil: Der Tour Terrain lässt sich nicht als Buggy nutzen. Ist also nicht alltagstauglich, sprich: mit dem Fahrrad in die Stadt, Abkuppeln, Fahrrad abstellen und Vorderräder am Hänger umklicken und gemütlich zu Fuß shoppen gehen … Und das mach ich schließlich auch manchmal ganz gern.

4 Comments

  1. Netter kleiner Bericht, bin ebenfalls auf der Suche nach einem Kinderanhänger und habe jetzt nach dem lesen den Eindruck, dass ich garnciht groß weiter suchen muss :)DankeThomas

  2. Hallo,bin gerade in die Suche nach einem Hänger eingestiegen. Der Erfahrungsbericht war da ein super Anfang mit wertvollen Infos. Danke!

  3. ein lohnenswerter Vergleich mit dem Chariot wäre auch der Nordic Cap-ein norwegischer Radl-Anhänger, welcher ebenfalls sehr vielseitig (Kinderwagen, Jogger, Trekking-Set/ SkiSet-zum Langlaufen oder Schlittschuhlaufen als Pulka….) eingesetzt werden kann…. :-)

  4. Nordic Cap – muss ich mir merken. Ebenfalls seit letztem Jahr auf dem Markt ist der Joytraxvon einem ehemaligen Chariot-Entwickler. Schau ich mir auch mal an.Danke Alpenkind ;)

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