Rastkogelhütte: Rodelgaudi im Hochgebirge

Allen Zweifeln zum Trotz … Ist es nicht ein Spitzengefühl, wenn man sich durch ein Vorhaben kämpft, es durchzieht, obwohl sich alle möglichen Probleme in den Weg stellen, die die Aussischt trüben, und am Ende wird man doch noch mit einem besonders schönen Erlebnis belohnt? Schöne Stunden, die erst dadurch besonders werden, weil man – wie manche sagen – erst durch die Hölle musste, um in den Himmel zu kommen. Und die sich vor allem deswegen ganz besonders ins Gedächtnis brennen, weil man sie fast verpasst hätte wegen all der Zweifel. Und dann ist da ja auch noch dieses Phänomen: Wenn alles nach Plan verläuft, macht das Erzählen halb so viel Spaß. Überwundene Hindernisse und überstandene Ärgernisse sind doch die eigentlichen Stars in den Erzählungen danach.

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Eine Super-Mannschaft, und so schön farbenfroh

Mein erstes von mir geleitetes DAV-Familiengruppen-Wochenende mit Hüttenübernachtung, monatelang zuvor geplant, gehört in genau diese Kategorie. Zur Rastkogelhütte in die Zillertaler sollte es gehen. Die liegt auf 2124 m Höhe und versprach Schneesicherheit sowie Familienfreundlichkeit. Sie trägt nämlich das Alpenvereins-Gütesiegel „Mit Kindern auf Hütten“. Wie ich mit Vierjährigen im Winter in diese Höhe komme? Eines vorweg: Bergbahnen und Skipisten, die das sagenhaft schöne Panorama stören könnten, gibt es dort keine. Aber von Hippach bei Ramsau im Zillertal aus führt eine gut geräumte Hochstraße bis zu einem Parkplatz bei der Sportalm auf 1720 m. Ab dort ging es zu Fuß und mit Rodel weiter. Ich habe gelernt: „Geräumt“ ist nicht gleich „geräumt“. Es gibt „schwarz geräumt“, also ohne Schnee, und „weiß geräumt“. Aber dazu später.

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Die traumhafte Lage der Rastkogelhütte

Erst einmal verhagelte uns das für Samstagmorgen vorhergesagte Blitzeis die Planung. Kann ich die Familien überhaupt auf die Straße schicken? Oder springen die mir sowieso kurzfristig alle ab? Aber nein, die Unternehmungslust der Familien war regelrecht erfrischend und trotzte der wenig berauschenden Aussicht auf eine nervige, lange, rutschige Anfahrt zum Treffpunkt. Am Ende war alles halb so schlimm. Aber merke: Weiß geräumte Straßen verlangen mindestens Allrad, oder aber Schneeketten – und damit waren wir nicht alle ausgestattet. Aber egal, denn zwei fahrtüchtige Autos dienten als Shuttle zum Parkplatz.

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Mühsamer Aufstieg

Und damit konnte die eigentliche Winterwanderung mit einiger Verspätung endlich starten. Anfangs ein Stück auf der gänzlich verschneiten Zillertaler Hochstraße an der Baumgartenalm vorbei und dann in wenigen nicht zu steilen Kehren bergauf. Doch es wäre zu langweilig, wäre das Ganze zu einfach gewesen. Wegen des anhaltenden Schneefalls und Windes war der Weg, der uns am nächsten Tag als Rodelstrecke dienen sollte, von den Hüttenwirten noch nicht frisch gewalzt worden. Die Kinder mussten sich also durch zeitweise sehr weichen Schnee kämpfen, und die Erwachsenen zogen die ganz Kleinen über lange Strecken auf dem Schlitten hoch, der leider tief versackte.

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Endlich angekommen – mit stolzem Lachen im Gesicht

Aber man nahm es sportlich und als tatsächlich endlich die Sonne ihr Licht auf die umliegenden Berge warf, war sowieso klar, warum sich das Ganze gelohnt hatte. Die Hütte kam nach 250 Höhenmetern ins Blickfeld und ab da wird der Weg auch deutlich flacher, begleitet von der Aussicht auf den Rastkogel und die anderen verschneiten Berge am Talschluss. Nach fast drei (!) Stunden waren die 400 Höhenmeter geschafft.

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Nacht in den Bergen bei Mondschein

Ab jetzt war Genuss angesagt: Die Hütte für uns allein, denn alle anderen Gäste hatten abgesagt, die Kids glücklich bei freier Zimmerwahl und Uno-Spiel und die Erwachsenen entspannt beim Bier. Der Vollmond gab alles, um die verschneiten Berge in dieser Nacht gut ausgeleuchtet in Szene zu setzen. Und am nächsten Morgen gab es feinstes Rodelvergnügen im Tiefschneehang vor der Hütte bei Sonnenschein. Jede weitere Kinderanimation war überflüssig. Klar, manch ein Erwachsener schaute auf die verlockend nahe gelegenen Gipfel der Umgebung, wie etwa das im Sommer auch kinderfreundliche Kreuzjoch (2336 m) oder den Rosskogel (2500 m). Doch Neuschnee und viel Wind – da ertönt mein inneres Lawinenwarnsystem und Schneeschuhe hatten die meisten sowieso nicht dabei.

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Strahlender Sonnenschein am Morgen

Das eine oder andere Kind schnallte sich allerdings mal Schneeschuhe an, um erfreut festzustellen, wie leicht man damit über Schnee laufen kann. Und weil der Weg nun doch frisch gewalzt wurde, testete der eine oder andere auch schon mal ein Stück des Rückwegs. Die Gaudi stand ihnen dabei ins Gesicht geschrieben, die Vorfreude auf die Abfahrt am Nachmittag stieg. Für Kinder eine ideale, wenig steile Rodelbahn, die sie zum großen Teil alleine meisterten. Nur ich stapfte ab der Hälfte zu Fuß hinterher – war aber egal, denn ich war eh so happy mit dem Tag, und mit dieser Gruppe.

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Rodel-Gaudi nach einem tollen Wochenende

Tourverlauf

Tourverlauf Rastkogelhütte

Tourverlauf auf gpsies.com (klicken für mehr Infos)

Tourdaten: 400 Hm, 3,5 km und 1,5 h jeweils im Aufstieg; je nach Schneelage kann sich der Aufstieg mit kleinen Kindern deutlich verlängern – wie bei uns.

Anfahrt: In Ramsau im Zillertal (kurz vor Mayrhofen) rechts nach Hippach abbiegen, nach der Brücke kurz vor Ortseinfahrt rechts auf den Zubringer Zillertaler Hochstraße. Ab der ersten Kehre ausgeschildert. Der Straße bis Alpengasthof Mösel und Hotel Bergkristall folgen, ab dort sind Schneeketten sinnvoll. Weitere vier Kehren bergauf. Durch die Schranke zum Parkplatz Sportalm (gebührenpflichtig, 3 EUR)

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