E-Biken mit Kindern: Tipps, Pros und Kontras

„Ich kann nicht mehr. Wann sind wir endlich da?“ Die gemeinsame Fahrradtour ist gerade eine halbe Stunde alt, und schon ertönt das Klagen der Kinder. Ihr kennt das? Dem Nachwuchs fehlt vielleicht das Interesse und die Ausdauer, die die Erwachsenen beim Radfahren an den Tag legen. Und den Eltern nicht selten die nötige Geduld. Der Tag, der perfekt geplant schien und ein schöner Ausflug zu werden versprach, endet dann schnell in Frustration auf beiden Seiten.

Kinder haben Freude am Fahrradfahren – wenn es sie nicht zu sehr fordert. | @pixabay.com

Doch da gibt es ja seit einiger Zeit die E-Bikes, nicht zuletzt auch für Kinder. Und viele Eltern fragen sich, ob das nicht die Lösung für das Motivationsproblem wäre (und für die eigene Unfähigkeit, Geduld zu üben und das Tempo zu drosseln)? Möglich ist das schon, vorausgesetzt ihr beachtet die folgenden Tipps für das E-Biken mit Kindern und ein paar grundsätzliche Überlegungen zu dem Thema.

Zu letzterem möchte ich sagen, dass sich Kinder beim Sport prinzipiell NICHT an die Eltern anzupassen haben. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Das ist nicht immer einfach. Ist Entschleunigung doch eine Sache, die wir scheinbar verlernt haben. Es tut aber gut, sich darauf einzulassen. Man erlebt eine Fahrradtour letztlich ganz anders.

Tipps für E-Biken für Kinder
Kinder sollten das Fahrrad beherrschen, bevor sie aufs E-Bike steigen. | ©pixabay.com

Ich glaube auch, dass eine Fahrradtour mit Kindern nicht unbedingt lange Strecken bewältigen muss. Der Unterhaltungswert ist doch viel entscheidender. Klar, sind viele Höhenmeter dabei nicht zu erwarten.

Trotzdem verteufele ich E-Bikes keines wegs. Wie auch bei Erwachsenen bin ich aber überzeugt, dass – insbesondere beim Mountainbiken, aber auch generell – das Fahrradfahren erst einmal sichere erlernt werden sollte. Die Bikebeherrschung ist vor allem für ein späteres E-Bike wichtig, das etliche Kilo mehr wiegt und trotzdem schneller fährt.

Deswegen stellt euch vor einem überstürzten Kauf eines E-Bikes zuerst die Fragen:

  • Wie oft gehen wir tatsächlich gemeinsam auf Tour?
  • Muss es dann wirklich so lang und so schnell sein, dass das Kind nicht mithält?
  • Kann mein Kind gut genug und sicher Fahrrad fahren oder braucht es nicht besser noch mehr Fahrpraxis?
Tipps für E-Biken mit Kindern
Ein E-Bike macht die Anhänger-Tour zum echten Vergnügen. | ©pixabay.com

Wenn ihr dennoch zu dem Entschluss kommt, ein E-Bike für euer Kind zu kaufen, dann beachtet folgende Tipps.

Tipp 1: Das richtige E-Bike auswählen

Eine E-Bike-Tour mit Kindern ist natürlich möglich, wenn man das will. Falls der Nachwuchs noch zu klein ist, um selbst die Natur auf einem Fahrradsattel zu erkunden, dann können E-Bikes mit einem Fahrradanhänger kombiniert werden. Für unsere eigenen Mountainbiketouren mit Anhänger hätten wir uns nicht selten damals ein paar Watt Unterstützung gewünscht. Denn während der eine ohne Anhänger locker hinaufradelte, musste der andere schweißtreibend in die Pedale treten.

Fährt das Kind allein, dann gilt generell, dass jedes E-Bike, dessen Motorunterstützung nur bis maximal 25 km/h reicht, für Kinder geeignet ist. Dieses elektrische Fahrrad ist auch als Pedelec bekannt. Der Fahrer muss selbst Muskelkraft aufwenden, aber der eingebaute Motor erleichtert das Strampeln wesentlich.

Weil Kinder sich in ihren körperlichen Voraussetzungen sehr stark von Erwachsenen unterscheiden, sind die Kinder-E-Bikes dementsprechend gestaltet. Um dem Nachwuchs maximalen Fahrspaß zu ermöglichen, gibt es bestimmte Punkte, worauf man beim Kauf eines Kinder-E-Bikes achten sollte.

Niedriges Gewicht

Ein gutes Kinder-E-Bike zeichnet sich durch ein niedriges Gewicht aus. Meistens bringen nämlich Kinder selbst nicht mehr als 40 Kilogramm auf die Waage. Das E-Bike muss daher an das Körpergewicht der kleinen Fahrer angepasst sein. Ein zu hohes E-Bike-Gewicht kann negative Auswirkungen haben. Das Kind wird schnell überfordert.

Antriebsart und Reifengröße

Der Grund, warum ein Kinder-E-Bike vergleichsweise leicht ist, hängt mit der Antriebsart und der Reifengröße zusammen. Folgende Kennzahlen sind interessant:

  • Beim Motor ist ein Drehmoment von 40 Newtonmetern (Nm) vollkommen ausreichend.
  • Ein leichter Akku mit 400 Wattstunden (Wh) ist bei Kinder-E-Bikes empfehlenswert. Akkus mit 500 Wh und mehr sind zu vermeiden (zu schwer und viel zu teuer)
  • Die ideale Reifengröße hängt von der Körpergröße des Kindes ab. Kinder-E-Bikes sind generell in nur zwei Größen erhältlich. Reifen mit einem Durchmesser von 24 Zoll eignen sich für Kinder mit einer Körpergröße von mindestens 135 cm. Für kleinere Kinder sind 20 Zoll-Reifen zu empfehlen.

Tipp #2: Ein kostengünstiges E-Bike kaufen

Das Kinder-E-Bike hat seinen Preis. Selbst wenn es kleiner als jenes für Erwachsene ist, ist es dennoch nicht viel günstiger.

Während ein übliches Kinderfahrrad etwa 300 Euro kostet, liegen die Preise für Kinder-E-Bikes zwischen 1750 und 3500 Euro. Hinzu kommt, dass Kinder relativ schnell, d.h. bereits nach ein oder zwei Jahren über das E-Bike hinauswachsen. Schließlich muss das motorisierte Fahrrad stets an die Körpergröße des Kindes angepasst sein. Doch weil es definitiv nicht das neueste Modell sein muss, könnt ihr auch zurückgreifen auf gebrauchte E-Bikes, die für Kinder geeignet sind.

Tipps fürs E-Biken mit Kindern
Gemeinsames Naturerlebnis mit Antriebshilfe | ©pixabay.com

Tipp 3: Vorsichtsmaßnahmen treffen

Diese Dinge solltet ihr unbedingt beachte:

  • Kinder unter 12 Jahren dürfen ein E-Bike nur unter der Aufsicht einer Person benutzen, die über 16 Jahre alt ist.
  • Kinder mit vollendetem 10. Lebensjahr dürfen allein mit dem E-Bike fahren, sofern sie eine behördliche Bewilligung dafür besitzen.
  • Nicht nur das Alter des Kindes, sondern auch seine individuellen körperlichen Fähigkeiten sind zu berücksichtigen. Beim E-Biken sind Körperbeherrschung, Beweglichkeit und Muskelkraft gefragt.
  • Für Kinder unter 12 Jahren besteht eine allgemeine Helmpflicht.
  • Euer Kind sollteeine bequeme sowie atmungsaktive Bekleidung tragen.
  • Für guten Halt auf den Pedalen ist das richtige Schuhwerk mit einer groben Sohle empfehlenswert.

Tipp 4: Die Vor- und Nachteile des Kinder-E-Bikes kennen

Bei E-Bikes für Kinder sind die Meinungen geteilt. Auf der einen Seite können E-Bikes Kinder zum Sport motivieren. Auf der anderen Seite können Fahrrad-unerfahrene Kinder schnell überfordert werden. Was ich darüber denke, habe ich oben beschrieben.

Ja zum Kinder-E-Bike!

E-Bikes sind sinnvoll bei unsportlichen Kindern, die ihr zur gemeinsamen Bewegung an der frischen Luft motivieren möchtet. Klar, es gibt andere Möglichkeiten, das zu tun. Ein gemeinsamer Spaziergang oder regelmäßige kleine Radausflüge sind manchmal sinnvoller, als das Kind zum Tempo der Eltern zu zwingen. Aber wenn das motorisierte Fahrrad nun das Strampeln erleichtert, entsteht vielleicht wirklich Bewegungsfreude.

Mit der höheren Geschwindigkeit bekommen natürlich auch die Eltern mehr Fahrspaß bei gemeinsamen Touren ab. Durch den höheren Aktionsradius der Kleinen sind längere Fahrradtouren kein Problem mehr. Die gemeinsame Fahrradtour wird zu einem Erlebnis für die ganze Familie.

Tipps fürs E-Biken mit Kindern
Das alte Fahrrad ohne Antrieb wird nach den ersten E-Bike-Touren wohl kaum noch eine Chance haben. | ©unsplash.com

Das spricht gegen das Kinder-E-Bike

Weil Kinder beim E-Biken wesentlich weniger Muskelkraft aufwenden müssen, um gut vorwärts zu kommen, besteht die Gefahr, dass sie sich überschätzen. Müdigkeit und Unaufmerksamkeit treten auf und steigern das Unfallrisiko.

Wegen des höheren Gewichts der E-Bikes ist die Beschleunigung bei Bergabfahrten höher und das Rad in Kurven je nach Untergrund schwerer zu beherrschen.

Womit ihr aber auf jeden Fall rechnen müsst: Haben sich die Kids erst einmal an das E-Bike gewöhnt, haben sie nach ihrer Erfahrung mit dem E-Bike möglicherweise kein großes Interesse mehr am herkömmlichen Fahrrad. Das heißt dann wohl, dass ihr für die nächsten Jahre keine wirklich Wahl mehr habt.

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